Wer ist Angela Merkel? Und wenn ja, wie viele? Wer hätte gedacht, dass sich hinter einer norddeutschen Hausfrau eine zweite Angie verbergen könnte? Oder dass eine süddeutsche Familienmutter aus ihrer Ähnlichkeit mit der Bundeskanzlerin Profit schlagen würde?
Regisseur Douglas Wolfsperger (Bellaria, Der entsorgte Vater) setzt sich in seinem neuen Kino-Dokumentarfilm Doppelleben mit dem Phänomen von Doubles auseinander.
Wie die vorübergehende Annahme einer fremden Identität (eigene) Wahrnehmung neu definieren – und verzerren kann, das erzählt Doppelleben.
Wolfsperger schaut hinter plötzlichen Erfolg, Rückschläge und die komischen, absurden, tragischen Momente von Schein und Sein.

Im Zentrum des Films steht die Lübeckerin Susanne Knoll. Die Mutter dreier Töchter wird zufällig entdeckt, auf einem Polterabend. Von ihrer verblüffenden Ähnlichkeit mit Angela Merkel zunächst wenig begeistert, nimmt sie dann doch das Angebot eines Agenten an, sich als Doppelgängerin zu verdingen und findet zunehmend Gefallen an der neuen Rolle. Das spürt man, wenn sie aus der „Kanzler-Limousine“ winkt, Reden hält oder auf dem Partydampfer plaudert und Babies herzt. Die eigentlich unter Depressionen und Minderwertigkeitskomplexen leidende Frau entpuppt sich als Schmetterling, lässt ihre Identität hinter sich, wächst als Angela Merkel über sich hinaus und erlebt endlich die Leichtigkeit des Seins. Ihr Schlachtruf von nun an: „Du bist Angela, du schaffst das!“ Sie ändert ihr Leben, radikal, trennt sich von ihrem Mann und versucht es – vom Erfolg beflügelt - sogar in der Politik. Pikanterweise als SPD-Kandidatin. Ein Merkel-Double bei den Sozialdemokraten? Das sorgt für Zwist in der Lübecker SPD und Amüsement in der Lübecker Bürgerschaft.
Und Knoll hat Konkurrenz: In der Nähe des Bodensees hat sich Marianne Schätzle als Merkel-Double etabliert. Auslöser war ihr kleiner Sohn, der ein Zeitungsfoto der Kanzlerin aufgeregt mit „Mama, Mama!“ kommentierte. Ob Schätzle mit dem sächsischen Clinton-Double Lothar Wunderlich auftritt oder eine Ostalgie-Feier mit „Erich Honecker“ bestreitet – stets ist die ehemalige Krankenpflegerin mit vollem Einsatz dabei.
Ansonsten verbindet die beiden Frauen wenig. Ehrgeizig aber sind beide und ein Anspruch eint sie: Das wahre Merkel-Double zu sein. Gibt es Eifersucht oder Rivalität? Natürlich.
Doch wie lange kann man dieses Spiel mit der Identität durchhalten? Was bedeutet es für das eigene Ego, Zweitverwerterin des Ruhmes einer anderen zu sein? Wo endet Imitation und beginnt Schizophrenie? Wenn man schon bei Freunden und Bekannten nur noch „Angie“ heißt und sich beim Gang zur Mülltonne beobachtet fühlt…?
„Doppelleben“ ist ein Film über zwei gewöhnliche Frauen, denen etwas Außergewöhnliches zugestoßen ist und die mit den Folgen verschobener Selbst- und Fremdwahrnehmung umgehen müssen. Am Ende werden sie verschiedene Wege gehen: Die eine nimmt Abstand vom Doppelleben, die andere macht unbeirrt weiter.

(copy 1)