Einfach der Wahn (von Tilmann P. Gangloff, Südkurier, 16.07.1992)

"Einfach der Wahn": Wolfspergers Sympathie für den Konstanzer Musiker Jürgen Waidele war unübersehbar. Sich selbst nahm der Regisseur gänzlich heraus aus dem Film; zu hören war Wolfsperger zum Beispiel nur im Gespräch, als Fragender – nicht ein Wort des Kommentars fiel während des halbstündigen "musikalischen Porträts", das innerhalb des S-3 Kulturmagazins "Bizz" ausgestrahlt wurde.

Was gesagt werden musste, übernahmen zwei Inserts: zu Beginn ein Steckbrief Waideles, am Ende seine Discographie. Dazwischen: Waidele spricht, Waidele macht Musik (aber nicht nur mit der legendären Jazz-Rock-Formation "Conversation", sondern ehrlicherweise auch mit der Tanzbar-Kapelle "Golden Four" sowie solo als Ballettbegleiter). Dazu, weil der Musiker auch nicht davon lassen will (obwohl er sich vorstellen kann, in Paris, Amsterdam oder Köln zu leben): der See, Objekt der Besessenheit ebenfalls für den Regisseur. "Live ist mein Leben", hatte Waidele gesagt, also gab Wolfsperger dem Publikum, wonach es dürstete: "Conversation" live in der Singener Gems, als Rahmen und Zwischenmusik für ein Porträt, das sich nicht damit begnügte, das faszinierende Endprodukt vorzustellen, sondern auch den mühsamen Weg bis zum Bühnenauftritt beschrieb.